Salzige Spuren und Ingenieurskunst

Historisches

Alte Salzstraße: Ein mittelalterlicher Handelsweg

Denken Sie rund 800 Jahre zurück: Damals war das Salz ein kostbares Gut und die alte Hansestadt Lüneburg erlangte mit der Salzgewinnung großen Reichtum. Das „weiße Gold“ musste nun in den Hafen nach Lübeck transportiert werden, um von hier aus in den gesamten Ostseeraum verschifft zu werden. Dabei durchquerten die Fuhrleute auf dem Landweg und später die Salzprähme auf dem Wasserweg das schöne Herzogtum Lauenburg.

 

Eine beschwerliche Reise

Ein Schild an der Alten Salzstraße.

Die mehr als 1.000jährige Stadt Lüneburg besaß mit ihrer Saline einen der ältesten Industriebetriebe Europas. Von hier aus führten die Spuren des Salzes quer durch das Herzogtum Lauenburg bis nach Lübeck. Die Städte entlang des Weges profitierten von dem Salztransport durch Zölle, Handel und Arbeit. Die Hansestadt Lübeck verschiffte das „weiße Gold“ in den gesamten Ostseeraum.

Doch der Weg dorthin war beschwerlich. Mehr als 20 Tage brauchten die Karren damals für den Landweg von der Saline bis zum Lübecker Hafen.

Vom Furhwerk zum Salzprahm

Scheuse in Witzeeze
© Alexander Kassner

Eine technische Meisterleistung schließlich beschleunigte den Weg erheblich. Die Flüsschen Delvenau im Süden und Stecknitz im Norden wurden mit einem 11 Kilometer langen Graben verbunden. Im Jahre 1398 wurde er fertig: der Stecknitz-Delvenau-Kanal war der älteste künstlich angelegte Wasserweg Nordeuropas.

Die kostbare Fracht wurde von nun an auf der „nassen Salzstraße“ transportiert. Dabei musste jedoch ein Höhenunterschied von etwa 16 Metern ausgeglichen werden. Dafür sorgten damals 17 Schleusen. Besichtigen lässt sich heute noch die historische Palmschleuse bei Lauenburg. Sie ist die älteste erhaltene Kammerschleuse Europas. Etwas abseits der heutigen Witzeezer Schleuse befindet sich die - recht unscheinbare - historische Dückerschleuse.

 

Die stolze Zunft der Stecknitzfahrer

Tansportiert wurde die Fracht auf sogenannten Salzprähmen. Diese Plattbodenschiffe konnten auch in flachen Gewässern große Lasten transportieren. Doch das konnten sie nur mit der Muskelkraft der sogenannten Stecknitzfahrer, die die Prähme vom Ufer aus treidelten.

Ihre Zunft war hoch angesehen und hatte es zu einigem Wohlstand gebracht. Ihre Fahrten richteten sie stets so ein, dass sie an Sonn- und Feiertagen in einem Kirchdorf vor Anker gehen konnten. Und so findet man noch heute ihre Spuren in den Kirchen am Kanal. So zum Beispiel auch in Berkenthin. Die Kirche aus dem 13. Jahrhundert und das Pastorat bilden ein malerisches Ensemble. Auf dem Friedhof finden Sie die alten Gräber der Stecknitzfahrer.

Berkenthin ist auch der Heimathafen eines rekonstruierten Salzprahms. Ehrenamtliche der Stecknitz-Region haben die Vergangenheit wieder lebendig gemacht und bieten heute sogar den "Erwerb eines Treidlerpatents" an.

 

Die blaue Ader: Der Elbe-Lübeck-Kanal

Elbe-Lübeck-Kanal bei Berkenthin
© sh-tourismus.de/MOCANOX

Fast 500 Jahre lang blieb der historische Kanal in Betrieb. Dann begannen die Bauarbeiten für seinen Nachfolger. Der neue Elbe-Trave-Kanal wurde im Jahr 1900 eingeweiht. Seit 1936 heißt er Elbe-Lübeck-Kanal. 30 Kilomter kürzer und 10 Schleusen ärmer beschleunigte er die Transportzeit der Güter von der Elbe an die Ostsee.

Eine Meisterleistung der Ingenieurskunst sind die mit Wasserkraft betriebenen Schleusen, die mit Ausnahme der Lauenburger Schleuse alle heute noch im Einsatz sind. Ludwig Hotopp hat sie entwickelt. Ohne Strom können sie von einer einzelnen Person bedient werden. Wer eine rund neunminütige Schleusung erleben möchte, startet am besten mit der Möllner Schifffahrt zu einer Schleusentour.

Und noch eine Besonderheit ist seit der Fertigstellung des Elbe-Lübeck-Kanals in Betrieb: die Seilzugfähre zwischen Siebeneichen und Fitzen. Sie ist die einzige Fähre am Kanal und befördert in der Sommerzeit Fußgänger, Radfahrer und Autos leichermaßen. Man muss nur die Glocke läuten.