Am 29.04.2018

Historischer Spaziergang "Auf den Spuren Alfred Nobels"

21502 Geesthacht

Historischer Spaziergang über den Krümmel

Entstehung und Lage der „Ersten Dynamitfabrik der Welt“

Der Historische Spaziergang führt über das Gelände der ehemaligen Dynamitfabrik Krümmel, die 1865 von Alfred Nobel als Nitroglycerinfabrik gegründet wurde.
Schwedische Geschäftsleute in Hamburg schufen die Verbindung zu dem schwedischen Er-finder und Industriellen Nobel.
Für den Bau einer Nitroglycerinproduktion erwarb er zunächst ein 42 Hektar großes Gelände und wenig später auch die Konzession zur Herstellung des Sprengöls.
Die Hoffnung der „Königlich-Preussisch-Herzoglichen Lauenburger Regierung“, auf dem Krümmel eine einträchtige Industrieansiedlung zu schaffen, schien sich wenige Monate spä-ter mit einem schweren Explosionsunglück auf dem Fabrikgelände zu zerstören. Das Gegen-teil war der Fall: Nobel setzte eine Reihe serieller Versuche zur Dämpfung des Nitroglycerin erfolgreich fort und erfand in seiner Krümmeler Fabrik das Dynamit.
Der neue Sprengstoff war verhältnismäßig sicher für den Transport und in der Handhabung, so dass er sich schnell im zivilen Sprengmittelmarkt für Bergbau-, Eisenbahnbau-, und Tun-nelbau durchsetzte.

Mit dem Erfolg des Dynamits weltweit expandierte auch Geesthacht - 1865 ein großes Dorf elbabwärts mit etwa 1450 Einwohnern – zu einem bedeutenden Industriestandort.
Auf dem Krümmel legte Nobel mit der „Ersten Dynamitfabrik der Welt“ den Grundstein für die beeindruckende Industriegeschichte Geesthachts und für sein Vermögen, aus dessen Zinsen noch heute die Nobelpreise vergeben werden.
Als historische Nachfolger befinden sich auf dem Krümmel heute das Helmholtz Zentrum, das GITZ und das Kernkraftwerk Krümmel.

Der Historische Spaziergang führt über teilweise verschlungene Wege durch den Wald zum Krümmeler Wasserturm, einem Gebäude aus dem Kriegsjahr 1916. Das Gebäude zur Was-serversorgung einer Nitrozellulosefabrik ist eines der letzten Original-Bauwerke der ehemaligen Sprengstofffabrik.
Die dreißig Meter hohe, verklinkerte Stahlbetonkonstruktion des Turmes mit klarer Fassa-dengliederung und Kuppeldach, das sich heute malerisch und weithin sichtbar über den Wip-feln des Geestwaldes erhebt, gilt als herausragende Architekturleistung für ein Industriege-bäude ihrer Zeit.
Erst 2011 wurde entdeckt, dass es sich um ein Gebäude des zu seiner Zeit sehr beachteten Architekten Hermann Distel (1875 bis 1945) handelt. Hermann Distel lebte mehrere Jahr-zehnte in Bergedorf und hatte dort auch sein Büro, das lange als „Distel und Grubitz“ firmier-te. Zahlreiche Villen in Bergedorf gehen auf die Architektenpartner zurück. Distel wurde mit einem Schlag bekannt, weil er die Ausschreibung zum Bau des Hörsaalgebäudes der Ham-burger Universität gewann, dem heutigen Bibliotheksgebäude.  Es folgten weitere Preise für großangelegte Zweckbauten und Distel konzentrierte sich schließlich auf den modernen Krankenhausbau. Seine Errungenschaften für diesen Bereich werden bis heute international sehr geschätzt. Wann genau Distel in Kontakt mit der Dynamit Actien Gesellschaft kam, ist nicht bekannt. Beide Verwaltungsgebäude der ehemaligen Sprengstofffabriken ( Alfred Nobel Platz und Lichterfelderstraße) sind Arbeiten von ihm. Erst nach dem Ersten Weltkrieg, 1923, stellte Hermann Distel die Nitrozellulosefabrik mit dem Wasserturm in der Zeitschrift für die Bauverwaltung vor. Im Rahmen des größenwahnsinnigen städtebaulichen Vorhabens der Na-tionalsozialisten für eine neue Hauptstadt „Germania“ des „tausendjährigen Reiches“ war Distel für den Bau des Universitätsklinikums beauftragt. 1945  - als das „tausendjährige Reich“ nach 12 Jahren beendet wurde - wurde das Bergedorfer Architekturbüro Distels von einer Bombe zerstört, Distel selber erlitt wenig später einen Schlaganfall.

Insgesamt besitzt die Stadt Geesthacht mit dem Kümmeler Wasserturm mindestens 7 Ge-bäude von Herrmann Distel. Durch die Unterschutzstellung der Distelgebäude durch die Denkmalbehörde und die Bewilligung von Sanierungsgeldern für den „Krümmeler Wasser-turm“ haben das Land Schleswig-Holstein und der Bund dem historischen Gebäudebestand der Industriestadt Geesthacht einige Wertschätzung gezollt. Der Förderkreis Industriemuse-um Geesthacht bedauert um so mehr, dass eine Sicherung des „Krümmeler Wasserturms“ trotzdem nicht zustande kam. „Der ausgesprochen interessante historische Gebäudebestand der Stadt Geesthacht ist sicher auch ein wichtiger Faktor für den Tourismus“, sagt Ulrike Neidhöfer vom Förderkreis Industriemuseum Geesthacht. Aus Sicht des Förderkreises ge-winnt durch die im Bau befindliche Treppe vor St. Salvatoris das dort angesetzte Distelge-bäude (Pastorenhaus) an erfreulicher Bedeutung. “Schön wäre jetzt noch eine Würdigung der Industriegebäude Distels, auch wenn sie zur leidvollen Kriegsgeschichte gehören. Sie ge-hören im Weitesten auch zu Geesthachts Geschichte, die mit Alfred Nobel verbindet,“ so Neidhöfer.

Der historische Spaziergang am 22. Juni führt an Gebäuderuinen vorbei, an denen Erklärun-gen über die Produktion im Werk gegeben werden. Am Geesthang oberhalb des Kernkraft-werkes entlang geht die Führung vorbei bis zum „Gartenplatz des früheren Direktorenwohn-hauses“, der vor einigen Jahren wiederentdeckt wurde. Das Direktorenwohnhaus aus dem 19. Jahrhundert wurde 1924 „rückgebaut" und an seine Stelle trat ein neues Verwaltungsge-bäude, das im Zentrum des Nobelplatzes zu sehen ist.

Anhand von alten Plänen und Fotos führt der Förderkreis Industriemuseum Geesthacht e. V. in die Entwicklung der Sprengstofffabrik bis 1945 ein.


Der Spaziergang dauert etwa 2 Stunden.
Bitte dem Wetter angemessene Kleidung und Schuhwerk beachten!
Die Teilnahme ist kostenfrei, der Förderkreis Industriemuseum Geesthacht e. V. freut sich über eine Spende zur Unterstützung seiner Arbeit.

Feste Schuhe und wetterfeste Kleidung !

http://www.industriemuseum-geesthacht.de/

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Termine
  • 29.04.2018

    11:00 - 13:00

  • 24.06.2018

    11:00 - 13:00

  • 30.09.2018

    11:00 - 13:00

Preis

Kostenlos

Die Teilnahme ist kostenfrei, der Förderkreis Industriemuseum Geesthacht e. V. freut sich über eine Spende zur Unterstützung seiner Arbeit.

Anmeldung erforderlich unter 04152 8877840 – es wird nur zurückgerufen, wenn der Spaziergang voll ist!

Veranstaltungsort

Treffpunkt: ehemaliger Krümmler Bahnhof / Hotel Elbmatrose
Elbuferstraße 72
21502 Geesthacht

Kontakt

Förderkreis Industriemuseum Geesthacht

Lichterfelder Straße 30
21502 Geesthacht