Schiffbau-Ausstellung in der Hitzler-Werft

21481 Lauenburg/Elbe

Schiffbau-Ausstellung
in der ersten Außenstelle des Elbschifffahrtsmuseums
in der Hitzler-Werft
Vom Einbaum bis zum modernen Binnenschiff. Die Geschichte des Schiffbaus ist schon sehr lang. Das älteste Exponat des Elbschifffahrtsmuseums ist ein ca. 1000 Jahre alter Einbaum. Einbäume wurden meist aus einem einzigen Baum gefertigt und gelten somit als Ursprung des Schiffbaus.
Neben dem Einbaum erhalten die Besucher in der neuen Außenstelle im ehemaligen Magazin der Hitzler-Werft auch wissenswerte Informationen zum Holz-Schiffbau sowie den Stahl-Schiffbau. Im Stahl-Schiffbau wurden die Stahlteile früher genietet. Heute kommt meist modernste Schweiß-Technik zum Einsatz.
Nieten –Schiffbau
Zu Zeiten der Nietbauweise musste jede einzelne Außenhautplatte, jeder Spant, jede Bodenwrange in der Schiffbauhalle angezeichnet, gelocht oder gebohrt werden. Danach wurden sie an Bord gebracht, angepasst und notfalls zur Nacharbeit wieder zurück in die Werkstatt transportiert. Allenfalls standen Handkarren und Tafelwagen zur Verfügung. Der manuelle Transport bestimmte Abmessung und Gewicht der vorgefertigten Bauteile. Selten gab es Hebeböcke oder einfache Auslegerkräne.
Das „Aufstellen“ des Schiffsneubaus begann mit dem Anlegen des Kielganges sowie der anschließenden Bodenplatten auf den ausgerichteten „Pallungen“. Danach wurden Bodenwrangen, Spanten und Schotte aufgestellt. Es folgte das Anbringen jeder einzelnen Außenhautplatte und zuletzt der Kimmplatten. Während der Montage mussten die Bauteile zunächst mit einfachen „Heftschrauben“ zusammengefügt werden. Passten die Nietlöcher nicht genau aufeinander, wurden sie aufgerieben. Dieses geschah mittels großer Handbohrmaschinen und entsprechenden Reibahlen.
Das Nieten erfolgte danach fortlaufend durch eine oder mehrere Kolonnen. Sie bestanden jeweils aus dem Nieter, dem Gegenhalter und einem oder zwei Helfer zum Anwärmen und Einstecken der Niete. An einem großen Elbschiff waren bis zu 100 000 Nieten zu verarbeiten!
Die Nietbauweise wurde im Laufe der Jahre immer weiter optimiert. Dieses erfolgte bereits bei der Festlegung der einzelnen Platten und Profile im Konstruktionsbüro, der Anfertigung sehr genauer Schablonen und Maßlatten auf dem Schnürboden und einer entsprechenden Arbeitsvorbereitung.
Niet-Arbeiten
Im Schiffbau waren drei Arten von Nieten genormt:
•    das Trapezkopfniet
•    das Halbrundniet und
•    das Senkniet.
Die Abmessungen waren in Tabellen festgelegt. Die Nietung wurde von angelernten „Nietkolonnen“ ausgeführt.
Innen im Schiff stand der „Nietenwärmer“ an dem stark qualmenden „Nietenkocher“ (Feldschmiede) und erhitzte die in einem durchlöcherten Blech befindlichen Nieten. Das in der glühenden Schmiedekohle erhitzte Niet warf er dem „Einstecker“ in hohem Bogen zu. Der „Vorhalter“ schlug das eingeführte Niet mit kräftigem Schlag in das vorgesehene Nietloch und nahm dann mit leichtem Gegendruck die Schläge der außen auf der Stellage stehenden „Nieter“ auf. Diese benutzten früher lange dünne Handhämmer, später Presslufthämmer. Beim Druckluftnieten setzte der Nieter ein bis zwei Schläge neben das Niet, um die Bauteile fest aufeinander zu pressen, stauchte dann den glühenden Nietschaft und bildete durch kreisende Bewegung den Schließkopf. Je nach Größe schaffte ein Nieter ca. 500 Nieten am Tag. Jedes geschlagene Niet wurde vom Meister mit dem Probierhammer auf seinen Sitz hin überprüft.
Der Schnürboden
Die Grundlagen aller schiffbaulichen Arbeiten bildete über Jahrzehnte der Schnürboden. Er ist in der Regel im Obergeschoß der Schiffbauhalle in einem durchgehenden Raum ohne Zwischenstützen platziert. Seine Größe ist je nach Werft unterschiedlich und liegt im Mittel zwischen 500 und 800 Quadratmeter.
Hier werden die Linien des neu zu erbauenden Schiffes – insbesondere der Spantenriss – nach dem vom Konstruktionsbüro vorgegebenen Aufmassbuch im Maßstab 1:1 aufgerissen. Dazu ist der Fußboden besonders hergerichtet und entweder schwarz oder grau gestrichen. So können die Hauptlinien mittels Schnur und Schnürkreide aufgeschnürt (daher der Name) und mit speziellen Reißnadeln die Linien eingeritzt werden.
Auf dem Schnürboden entstehen:
•    Kastenschablonen für doppelt gekrümmte Außenhautplatten
•    Spantschablonen zum Biegen der Profile,
•    Höhen- und Breitenlatten zum Beispiel für Decks und Schotte und
•    besondere Schablonen für kurvenförmig verlaufende nach einem speziellen Verfahren abgewickelte Blechteile.
Zur Herstellung der Schablonen werden gehobelte Fichten- oder Kiefernbretter von 10 bis 12 mm Stärke verwendet, selten Flacheisen oder Bleche. Entsprechende Bearbeitungsmaschinen finden sich dazu ebenfalls auf dem Schnürboden.
Im heutigen Zeitalter der Computertechnik ist der Schnürboden bis auf ganz wenige Ausnahmen überflüssig geworden. Die EDV-Daten aus dem Konstruktionsbüro gehen direkt an die numerisch gesteuerten Bearbeitungsmaschinen.
Schiffbau - heute
Die Einführung des Schweißens im Schiffbau war revolutionär: Hierdurch konnte kosten- günstiger und qualitativ besser gefertigt werden. Für die Werften bedeutete diese Neuentwicklung eine Umstellung der gesamten Fertigungstechnologien. Sie bildete gleichzeitig den Anfang zum Bau immer größerer Sektionen und gab die Voraussetzung zum Einsatz automatischer Schweißverfahren. Infolgedessen sind in den Schiffbauhallen die für das Nieten erforderlichen zahlreichen Maschinen entbehrlich geworden. Neue Geräte und vollautomatische Brenn- und Schweißmaschinen kamen hinzu.
Das Schweißen bot gegenüber dem Nieten zahlreiche Vorteile:
•    bessere Werkstoffausnutzung
durch andere Konstruktionsmethoden,
•    höhere Festigkeit der geschweißten Bauteile,
•    Fortfall der aufwendigen Anzeichen- und Verformarbeiten,
•    Einsparung von Personal, Verringerung der Bauzeiten und
damit Kosteneinsparungen um mehr als 40%.
Die zunächst zögerliche Einführung der Schweißung auf den Werften fand bereits in den 1930er Jahren statt. Die Werft J.G. Hitzler in Lauenburg hatte als erste Elbewerft bereits 1933 die Zulassung des Germanischen Lloyds! Dennoch wurden zunächst nur Innenbauteile verschweißt. Noch um 1950 ist die Nietung bei wichtigen Verbänden wie der Außenhaut vorgezogen worden. Danach erfolgte eine rasante Umwandlung auf das neue Verfahren durch die Entwicklung immer besserer Schweißverfahren und rationeller Fertigungsmethoden. Das Prinzip der Montage von Flächen- und Volumensektionen zusammen mit der weiteren Ausrüstung prägen das Bild der Werften heute. Dazu gehört auch die Anwendung sehr genauer Messmethoden bei der Anfertigung und der Montage sowie das Vorhalten großer Krananlagen.
Schweiss-Arbeiten
Im Schiffbau ist je nach Lage der Bauteile zu unterscheiden in:
•    Hand- schweißverfahren mit umhüllten Elektroden,
•    verschiedenen halbauto- matischen Verfahren unter Schutzgas und
•    vollautomatischem Unter- pulverschweißen.
Beim Elektroschweißen wird als Wärmequelle ein elektrischer Lichtbogen genutzt. Mit seiner Hilfe werden die Bauteile unter Zugabe eines Zusatzwerkstoffes (Elektrode) verschmolzen. Der Schweißdraht schmilzt beim Ziehen des Lichtbogens tropfenförmig ab. Er verbindet sich dabei mit dem gleichzeitig aufgeschmolzenen Grundwerkstoff. Beim Schutzgasschweißen schmilzt ein kontinuierlich zugeführter dünner Schweißdraht unter einem Schutzgasschirm aus CO2 oder Mischgas ab. Bei der Unterpulverschweißung brennt der Schweißdraht unsichtbar unter einer Pulver- und Schlackenschicht ab.
Alle Schweißkanten müssen entsprechend den DIN-Normen vorgearbeitet werden und bei Schweißbeginn metallisch rein sein, da sonst Poren, Risse oder Schlackeneinschlüsse entstehen. Um Spannungen und Verbeulungen zu vermeiden, wird in einer festgelegten Reihenfolge geschweißt. Die gleichmäßige Führung des Schweißdrahtes erfordert viel Geschicklichkeit und Übung. Alle Schweißer benötigen ein Zertifikat entsprechend DIN 287-1, welches nach bestandener Prüfung ausgestellt wird. Geschweißt wird mit einem Schweißstrom von 20 bis 50 V und 100 bis 400 A je nach Art der verwendeten Elektrode. Auf größeren Werften sind auch Mehrstellenschweißanlagen zu finden. Sie versorgen Werkstätten, Kais und Helgen mit Schweißst

Kontakt

Hitzler-Werft

Bahnhofstraße 4-12
21481 Lauenburg/Elbe